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EU und Kanada beschließen: Wir sind keine Rechtsstaaten!

Helmut Scholz

English version below.

Der Europaabgeordnete Helmut Scholz kommentiert zur heutigen Vorlage des überarbeiteten Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Kanada (CETA):

"Der Text des CETA-Abkommens sei nun fertig überarbeitet, wurde uns heute verkündet. Nach dem enormen öffentlichen Druck und Mahnungen des Europaparlamentes, hatte sich die EU-Kommission gezwungen gesehen, das Kapitel zum Investorenschutz umzuschreiben. Das neue ISDS Verfahren heißt nun nicht mehr so und beinhaltet Elemente, die das System transparenter machen und Konzernklagen erschweren.

Das Grundprinzip blieb jedoch erhalten: Konzerne dürfen Regierung verklagen, wenn sie durch ein neues Gesetz ihre Gewinnerwartungen gefährdet sehen und sie erhalten für diese Klagen einen gesonderten Rechtsweg vor einem Tribunal, das nicht in die Rechts- und Verfassungssysteme der beteiligten 29 Staaten eingebunden ist. Damit erklären die kanadische Regierung und die EU-Kommission, dass sie kein Vertrauen in die Rechtstaatlichkeit des Partners haben. Offenbar wollen beide mehr Parteinahme für die Interessen von Investoren gewährleistet sehen, als nach unseren Rechtssystemen zu erwarten ist. Die Vorlage zum Nachlesen für das neue Investorenschutzsystem findet sich denn auch im frisch ausgehandelten Freihandelsabkommen der EU mit Vietnam, dass seit 1. Februar auf der Webseite der EU-Kommission öffentlich ist (Kapitel 8 zu Investitionen).

Die kanadische Regierung und EU-Kommission haben einen Verfahrenstrick eingesetzt, um den Text des Abkommens zu ändern, ohne die Verhandlungen formal wieder zu öffnen: die Phase der juristischen Überprüfung der Sprache des Abkommens. So wurde verhindert, dass Bedenken zu weiteren Aspekten des Abkommens, wie unter anderem der regulatorischen Kooperation, der Informationspflicht zu neuen Gesetzen, der Hintertürfunktion des Abkommens für US-amerikanische Unternehmen, erweiterten Ausschreibungspflichten, und hohen Einfuhrquoten für kanadische Agrarerzeugnisse erneut öffentlich zum Thema werden können und Unterhändler zu weiteren Änderungen gezwungen werden.

Voraussichtlich im Juni soll der Rat nun die Erlaubnis zur Unterzeichnung CETA beschließen. Danach wird das Abkommen dann in alle EU-Sprachen übersetzt und wohl Anfang 2017 in Rat und Europaparlament zur Ratifizierung vorgelegt. Spätestens dann werden alle Europaabgeordneten bekennen müssen, ob sie einem CETA mit ISDS zustimmen. Die Linksfraktion wird der Ratifizierung nicht zustimmen."

 

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EU and Canada agree: We do not have rule of law!

MEP Helmut Scholz (GUE/NGL trade policy co-ordinator) comments on today's presentation of the revised free trade agreement between the European Union and Canada (CETA):

"The revision of the text of the CETA agreement has now been finalised. After enormous public pressure and clear statements in the European Parliament, the EU Commission was forced to rewrite the chapter on investor protection. The new ISDS process is no longer called ISDS, and includes elements that make the system more transparent and which make it more difficult for corporations to file a case. But the basic principle remains: corporations may sue governments if they see their profit expectations threatened by a new law, and, to this end, they are provided with a separate legal path using a tribunal which is not bound by the legal and constitutional systems of the 29 states participating in CETA.

"By agreeing to this investor protection system, the Canadian government and the EU Commission are declaring that they have no confidence in the rule of law of its partners. Apparently, both want to see better guarantees siding with the interests of investors, than what could be expected by our legal systems. The template for the new investor protection chapter can be found in the most recently negotiated EU Free Trade Agreement with Vietnam.

"The Canadian government and the EU Commission have used a trick to change the text of the agreement without formally re-opening the negotiations: this involved changes to the text during the legal clean-up process on the language of the Agreement. This method prevents concerns about other aspects of the Agreement from being publicly debated again to try and force negotiators to accept further changes, among others on regulatory cooperation, the obligations to provide prior information on new laws, the backdoor function of the Agreement for US companies, extended tendering obligations, and high import quotas to the EU market for Canadian agricultural products.

"Expected in June, the Council will decide to authorise the signing of CETA. The Agreement shall then be translated into all EU languages ​​and probably submitted early 2017 to the Council and European Parliament for ratification. By then, all MEPs will have to show whether they agree to a CETA with ISDS. The left group in the European Parliament, the GUE/NGL, will not agree to the ratification."

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