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Brüssel nach den Anschlägen: Solidarität, Frieden und Freiheit als Leitmotive

Cornelia Ernst

Die schrecklichen Anschläge am Dienstagmorgen, den 22. März, haben uns alle tief schockiert. Mindestens 31 Menschen sind um ihr Leben gekommen und 270 wurden verwundet, zum Teil sehr schwer. Neben Sprengstoffgürteln ließen die Attentäter auch eine Nagelbombe auf dem Brüsseler Flughafen explodieren, die besonders schlimme Verletzungen verursachte.

Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass der eine der Brüder El Bakraoui sich auf dem Flughafen gemeinsam mit einem weiteren, bisher nicht identifizierten Attentäter in die Luft sprengte, während ein dritter Attentäter, der seine Bombe zurückließ, noch gesucht wird. Der andere Bruder El Bakraoui ist für den Anschlag auf den zweiten U-Bahnwagen in der Station Maelbeek verantwortlich.

Mit den Anschlägen trafen sie direkt vor allem Urlaubs-, Dienst- und Geschäftsreisende sowie Berufspendler, und nicht zu vergessen die Angestellten am Flughafen und in der Metro. Damit trafen die Bomben die Menschen mitten in ihrem Alltag, aus dem sie jäh herausgerissen wurden. Sie verdienen zuallererst unser Mitgefühl.

Ein besonderer Respekt kommt in meinen Augen denen zu, die sich im zwangsläufigen Chaos nach den Anschlägen mit den Betroffenen sofort solidarisch zeigten. Taxis fuhren kostenlos, Mitfahrgelegenheiten wurden organisiert, WLAN-Netze des größten nationalen Anbieters geöffnet.

Mit der Auswahl der Anschlagsziele wird deutlich, dass sich diese Anschläge nicht nur gegen Brüssel als die Hauptstadt Belgiens richteten, sondern auch auf Brüssel, das die wichtigsten Institutionen der EU beherbergt, abzielten. Einer der Anschläge geschah in unmittelbarer Sichtweite des Europaparlaments wie der EU-Kommission. Mehr als nach den Anschlägen in Paris im vergangegen Jahr sind die europäischen Institutionen und mit ihnen die EU als Ganzes betroffen. Damit wird mehr noch als bisher die europäische Ebene im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen, die sicher folgen werden, stehen.

Wie zu erwarten, ließen die ersten schnellen politischen Ausbeutungsversuche nicht lange auf sich warten. Aber anstatt jetzt billig mehr Kontrollen an den EU-Außengrenzen zu fordern, sollten wir erst einmal einen Schritt zurück treten und wenn die Emotionen etwas gekühlter sind eine klare und sorgfältige Analyse unserer Politik anstrengen. Fast 15 Jahre nach dem 9. September 2001 können wir auf eine Periode zurückschauen, in der Sicherheits- und Antiterrorgesetze kontinuierlich erweitert und verschärft worden sind. Allen, denen es ernst ist mit der Sicherheit der Menschen in der EU, muss klar sein, dass wir sehr genau untersuchen müssen, wieviel die Verschärfungen wirklich gebracht haben, und woran sie scheitern.

In einigen belgischen Städten hat man bereits erkannt, dass es ebenso notwendig ist, ausführliche Konzepte zur Deradikalisierung umzusetzen. Dazu gehören breite soziale Angebote und vor allem viele sensibilisierte Ansprechpartner und Vertrauensleute in allen benachteiligten Gruppen der Gesellschaft. Diesen Weg zu gehen heißt, die Widerstandskraft unserer Gesellschaft zu stärken und aktiv gegen Diskriminierung und Benachteiligung vorzugehen. Das wäre eine angemessene Antwort auf den Terror.  

Die gestrige Pressemitteilung von Cornelia Ernst, gemeinsam mit Gabi Zimmer, der Vorsitzenden der Linksfraktion im Europäischen Parlament, GUE/NGL, findet sich hier.

 

 

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