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Europäisches Parlament knickt vor Steuertricks der Multis ein

Fabio De Masi (DIE LINKE.), Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) und stellvertretender Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zu Geldwäsche, Steuervermeidung und Steuerhinterziehung (PANA), kommentiert den Ausgang der Abstimmung zur öffentlichen länderspezifischen Berichterstattung von Unternehmen in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsausschusses und des Rechtsausschusses (JURI) in Straßburg:

 

Please find English version below.

Fabio De Masi im Straßburger Plenum

„Die öffentliche länderspezifische Berichterstattung (CBCR) ist eine wichtige Waffe im Kampf für mehr Steuergerechtigkeit. Umso bedauernswerter ist es, dass die Konservativen und Liberalen die Öffentlichkeit entwaffnet haben. Der Schwellenwert für die Berichtspflicht von 750 Millionen Euro Jahresumsatz verschont laut OECD etwa 85 bis 90 Prozent der multinationalen Konzerne. Das Europäische Parlament hatte in der Aktionärsrichtlinie noch einen Umsatz von 40 Millionen Euro gemäß der EU-Definition für ‘large undertakings‘ angewendet.

Die Liberalen haben sich überdies für ein eklatantes Schlupfloch stark gemacht, dass es Konzernen ermöglicht, sich mit einer äußerst schwammigen Definition von wirtschaftlich sensiblen Daten prinzipiell unbegrenzt der Berichtspflicht zu entziehen. Auch eine rückwirkende Offenlegung und eine grobe Berichtspflicht sind nicht mehr vorgesehen. Die Linksfraktion hätte den Kompromiss nur unter dieser Maßgabe und mit einer klaren zeitlichen Befristung der Ausnahmen unterstützt."

Der deutsch-italienische Wirtschaftspolitiker abschließend: „Mit diesem Ergebnis begibt sich das Parlament in eine denkbar schlechte Ausgangslage für die Trilogverhandlungen. Die Kernpunkte, also der öffentliche Zugang zu den Berichten sowie die Anwendung der Berichtspflicht für alle Staaten, in denen Unternehmen aktiv sind, müssen erhalten bleiben. Eine Berichtspflicht nur für Aktivitäten in EU-Staaten und Drittstaaten auf der schwarzen Liste für Steueroasen - die im diplomatischen Kuhhandel zur Farce verkommt - würde weitere Schlupflöcher reißen. Die EU würde damit hinter die Praxis von Vietnam zurückfallen."

 

Country by Country Reporting – Hintergrund:

Am Montagabend wurde der Bericht des Europäischen Parlaments zur öffentlichen länderspezifischen Berichterstattung von Unternehmen in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsausschusses (ECON) und des Rechtsausschusses (JURI) in Straßburg angenommen. Dieser sieht vor, dass multinationale Konzerne mit einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro und mehr für jedes Land, in dem sie aktiv sind, gewisse wirtschaftliche Kennzahlen wie Gewinne und gezahlte Steuern veröffentlichen. Eine solche Berichtspflicht existiert bereits für Banken und den Rohstoffsektor. Mit dieser Maßnahme erhofft man sich, die Steuertricks von Unternehmen offenzulegen.

Weitere parlamentarische Behandlung: Nach der Abstimmung in den Ausschüssen, muss der Bericht noch im Plenum des Europäischen Parlaments abgestimmt werden. Sollte er auch dort angenommen werden, kommt der Bericht in die Trilogverhandlungen zwischen Europäischen Rat, Kommission und Parlament.

 

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Country-by-Country Reporting: European Parliament gives in to tax tricks of multinationals

 

In a joint meeting on Monday evening, the Committee for Economic and Monetary Affairs (ECON) and the Committee for Legal Affairs (JURI) adopted the report on Country-by-Country reporting. It obliges multinational corporations with an annual net turnover of 750 million euros and above to publicly disclose, in every country they are active in, certain economic indicators, such as their profits or taxes paid. This measure shall help in laying bare the tax tricks of companies. MEP Fabio De Masi (DIE LINKE.), Member of the Committee for Economic and Monetary Affairs and Vice Chair of the European Parliament’s Inquiry Committee into Money Laundering, Tax Avoidance and Tax Evasion (PANA), comments on the result of the vote:

“Public country-by-country reporting is an important weapon in our fight for greater tax justice. It is thus all the more regrettable that the liberals and the conservatives have disarmed the public. According to the OECD, the 750 million euro reporting threshold will spare 85-90 per cent of multinational companies. In the shareholder directive, the European Parliament still applied the 40 million euro threshold, which is the EU definition for large undertakings.

On top of that, the liberals have created a glaring loophole in the report, which will allow corporations to escape their reporting obligation under the pretext of vaguely defined commercially sensitive information. In addition, retroactive publication of the information and rough reporting obligations are no longer part of the text. The left group could have only agreed to the compromise if exemptions had been temporally limited and if exemptions had still entailed the reporting of rough data.

“This result puts Parliament in a weak position for the upcoming trilogue negotiations. The central points of the report, i.e. unhindered public access to the country specific reports and the publication of reports for every country a company is active in, must survive the trilogue. Reporting obligations only for EU Member States and third countries on the tax haven black list – which diplomatic horse-trading is turning into a farce – would only open up new loopholes. The EU would then lag behind the standards of Vietnam."

 

Further parliamentary procedure:

As a next step, the report will have to be voted in Parliament’s plenary, before the trilogue negotiations between Council, Commission and Parliament begin.

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