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Iran: Vision einer demokratischen Lösung

Please find English version below

Die Videoaufzeichnung wird hier in den nächsten Tagen bereitgestellt.

The video recording of the conference will be displayed here soon.

 

Heute (11.1.) waren Expert*innen und Interessierte zu einer Fachdebatte im Europäischen Parlament geladen. Vorbereitet wurde die Veranstaltung von der EP-Linksfraktion GUE/NGL in Kooperation mit der EU-Turkey Civic Commission und dem Kurdish Institute in Brüssel.

Während der vierstündigen Konferenz berichteten iranische Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Politiker*innen sowohl aus dem Iran als auch aus der Diaspora über die Problemlagen verschiedener Minderheiten im Iran; die Herausforderungen, Zerrissenheit und Spannungen innerhalb der iranischen Gesellschaft; sowie die zusätzlichen Schwierigkeiten, die das Mächtegerangel am persischen beziehungsweise arabischen Golf bereiten.

Martina Michels, Mitglied in der EP-Delegationen sowohl für die Beziehungen zur Türkei als auch für die Beziehungen zu Israel, eröffnete die Veranstaltung und kommentiert die politisch-soziale Gemengelage im Iran:

„Kurzatmige Bewertungen aus einer gemütlichen europäischen Perspektive helfen niemandem weiter. Als linke Europaabgeordnete unterstütze ich grundsätzlich Forderungen nach besseren Lebensbedingungen, weltweit, und natürlich auch im Iran, sofern diese Forderungen gewaltfrei auf die Straße getragen werden und sofern sie nicht gegen Frauen und Minderheitenrechte ausgespielt werden. Freiheitsrechte sind unteilbar.“

„Wir können nicht übersehen, dass Trump mit dem Beginn der Proteste einmal mehr vom ‚Regime Change‘ träumt und dafür einiges unternimmt. Damit spielt er Khameneis Verschwörungstheorien in die Hände und heizt die Kriegsgefahr erneut an. Dagegen müssen demokratische Kräfte ihre Stimme erheben - ohne mit den konservativsten Kräften im Iran gemeinsame Sache zu machen. Iranerinnen und Iraner können die Lösung ihrer Konflikte in die eigenen Hände nehmen und zugleich brauchen sie unsere Solidarität. Es ist wie überall: Die Türkei ist mehr als Erdoğan und der Iran ist mehr als Rohani und Khamenei. Viele Demonstrant*innen machen in ihrer Unzufriedenheit wenig Unterschiede zwischen ihrem Unmut gegenüber Rohani oder gegenüber Khamenei. Beide versuchen den Widerstand einfacher Menschen in ihrem Machtkampf zu absorbieren und vergessen wir nicht, dass die jüngsten Pläne Rohanis auch die Beendigung von Privilegien religiöser Stiftungen vorsah.“

„Das Kurdish Institute hat mich deshalb um die Eröffnung dieser Veranstaltung gebeten, weil ich als Mitglied der EU-Türkei-Delegation seit Jahren in besonderer Weise erlebe, dass die Lösung der ‚kurdischen Frage‘ ein zentraler Schlüssel zur Demokratisierung des sogenannten Nahen Ostens ist. Andererseits erleben wir seit Jahren, dass alle nationalistisch gewendeten Konflikte, ob in der Türkei, in Syrien, im Irak oder im Iran, meist besonders das Selbstbestimmungsrecht von Kurdinnen und Kurden verletzten.“

„Nicht zuletzt fordere ich deshalb von der deutschen Regierung, die traditionell sehr eng mit dem Iran verbunden ist, ebenso wie von der EU, alles dafür zu tun, dass neue militärische Interventionen keine Chance bekommen; dass das Atomabkommen strikt eingehalten wird, und dass die Sanktionen aufgehoben werden, um einen gleichberechtigten völkerrechtlichen Dialog wiederherzustellen. Das wäre eine ehrliche Unterstützung der Demonstrationen und zugleich ein klare Politik gegenüber Rohani.“

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Iran: A Vision for a Democratic Solution

 

Today (Thursday), experts and interested parties were invited to a technical debate in the European Parliament. The event was prepared and hosted by the EP-Left group GUE/NGL and in cooperation with the EU-Turkey Civic Commission and the Kurdish Institute in Brussels.

During the four-hour conference, Iranian writers, academics, activists and politicians from both Iran and the diaspora reported on the problems of various minorities in Iran; the challenges, conflicts and tensions within Iranian society; and the additional difficulties caused by the power struggle on the Persian respectively the Arabian Gulf.

Martina Michels, a member of the two EP delegations for both relations with Turkey and for the relations with Israel, opened the event and comments on the political-social situation in Iran:

"Short-winded reviews from a cozy European perspective do not help anyone. As a left-leaning MEP, I fundamentally support calls for better living conditions, worldwide, and, of course, in Iran as well, as long as these demands are carried out non-violently on the streets and provided they are not played against women and minority rights. Freedom rights are indivisible."

"We cannot overlook the fact that Donald Trump is once again dreaming of a 'regime change' and with the onset of the protests, he aims even more at toppling other governments. By interfering in this way he plays into Khamenei's conspiracy theories and fuels the threat of war. Democratic forces, on the other hand, have to speak up now - without making common cause with the most conservative forces in Iran. Iranians can take the solution of their conflicts into their own hands and at the same time they need our solidarity. It's like everywhere: Turkey is more than Erdoğan and Iran is more than Rohani and Khamenei. Many protesters make little difference in their dissatisfaction between their displeasure towards Rohani or Khamenei. Both try to absorb the resistance of ordinary people in their power struggle, and let's not forget that Rohani's recent plans also included an ending of the privileges for religious foundations."

"The Kurdish Institute has therefore asked me to open this event because, as a member of the EU-Turkey delegation, I have been experiencing in a special way for years that resolving the 'Kurdish issue' is a key to democratizing the so-called Middle East. On the other hand, we have been experiencing for years that all nationalist conflicts, whether in Turkey, Syria, Iraq or Iran, mostly hurt the right of self-determination of Kurds."

"Last but not least, I urge the German government - which traditionally has very close ties to Iran, as well as the EU does - to do everything to ensure that new military interventions do not have a chance; that the nuclear agreement is strictly adhered to and that sanctions are lifted in order to restore an equal international law dialogue. That would be an honest support for the demonstrations and at the same time a clear policy towards Rohani."

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