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Der Iran ist mehr als Rohani und Khamenei (DE & EN)

Eröffnungsrede zur Konferenz "The Democratic Movement Platform of Nations in Iran" (English below)

(please find English Version below)

 

Liebe Freunde, verehrte Gäste, 

ich möchte Sie, Euch, ganz herzlich zum heutigen Austausch begrüßen. Ich freue mich, dass Sie der Einladung in meine Fraktion, der GUE/NGL, gefolgt sind. Die Konferenz wurde in Kooperation mit der EU-Turkey Civic Commission und dem Kurdish Institute in Brüssel vorbreitet. Das Kurdish Institute hatte mich deshalb um die Eröffnung gebeten, weil ich als Mitglied der Parlamentarischen EU-Türkei-Delegation des Europäischen Parlaments seit Jahren in besonderer Weise erlebe, dass die Lösung der "kurdischen Ffrage" ein Schlüssel zur Demokratisierung des "Nahen Ostens" ist. Andererseits erleben wir seit Jahren, dass alle nationalistisch gewendeten Konflikte, ob in der Türkei, in Syrien, im Irak oder im Iran, oft das Selbstbestimmungsrecht von Kurdinnen und Kurden in besonderer Weise verletzten.

Als die Konferenz unter dem Titel: The Democratic Movement Platform of Nations in Iran geplant wurde, war die derzeitige Entwicklung nicht absehbar. Auch die Instrumentalisierung im Machtkampf der widerstreitenden Eliten, ist im Moment nur schwer zu überblicken.

Andererseits kamen die Proteste nicht plötzlich. Sie kamen spontan, begannen dezentral und richteten sich zuerst gegen Preissteigerungen und Arbeitslosigkeit. Viele Demonstrant*innen machen in ihrer Unzufriedenheit wenig Unterschiede zwischen ihrem Unmut gegenüber Rohani oder gegen Khamenei. Beide versuchen den Widerstand einfacher Menschen in ihrem Machtkampf zu absorbieren. Vergessen wir nicht, dass die jüngsten Pläne Rohanis auch die Beendigung von Privilegien religiöser Stiftungen vorsah.

Ich möchte bei unserem heutigen Austausch auch dazulernen und Anregungen von denen aufnehmen, die die iranische Gesellschaft komplex und differenziert erleben. Kurzatmige Bewertungen aus einer gemütlichen europäischen Perspektive helfen niemandem weiter.

Zugleich weiß ich: Wir werden uns im Austausch nicht zu allem einigen können. Doch eines ist sicher: Die kurdische Perspektive ist im "Nahen Osten" eine besondere und das teilen wir. Die Lösungsangebote und Erfahrungen in der Türkei, im Irak, in Syrien und im Iran kreisen immer um Kernfragen einer demokratischen Konfliktlösung. Wir brauchen ganz dringend die Verständigungen über Gemeinsamkeiten im Herangehen an die politischen Auseinandersetzungen. Und da sehe ich viele.

1. Als linke Europaabgeordnete unterstütze ich grundsätzlich Forderungen nach besseren Lebensbedingungen, weltweit, und natürlich auch im Iran, sofern diese Forderungen gewaltfrei auf die Straße getragen werden und sofern sie nicht gegen Frauen und Minderheitenrechte ausgespielt werden. Freiheitsrechte sind unteilbar.

2. Ich halte die außenpolitische Orientierung des Iran für eine Kooperation im Rahmen des Projektes Seidenstraße im euroasiatischen Raum in einer multipolaren Welt für sinnvoll. Deshalb verurteile ich die Einmischungen Trumps.

3. Wir können nicht übersehen, dass Trump mit dem Beginn der Proteste einmal mehr vom „Regime change“ träumt und dafür auch einiges unternimmt. Damit spielt er Khameneis Verschwörungstheorien in die Hände und heizt erneut Kriegsgefahren an. Dagegen müssen linke und demokratische Kräfte ihre Stimme erheben ohne mit den konservativsten Kräften im Iran gemeinsame Sache zu machen. Iranerinnen und Iraner können die Lösung ihrer Konflikte in die eigenen Hände nehmen und zugleich brauchen sie unsere Solidarität. Es ist wie überall: Die Türkei ist mehr als Erdoğan und der Iran ist mehr als Rohani und Khamenei.

4. Deshalb werden wir einer Instrumentalisierung der Proteste im Machtkampf der Eliten nicht schweigend zusehen.

5. Wir fordern die Regierung Hassan Rohani auf, auf die Bevölkerung zuzugehen, die Forderung nach höheren Löhnen ernst zu nehmen und die Subventionskürzungen für Lebensmittel und Benzin zurückzunehmen.

6. Und nicht zuletzt fordere ich meine deutsche Regierung, die traditionell sehr eng mit dem Iran verbunden ist, und die EU auf, alles dafür zu tun, dass am Horizont keine neuen militärischen Interventionen eine Chance bekommen, dass das Atomabkommen strikt eingehalten wird, und Sanktionen aufgehoben werden, um einen gleichberechtigten völkerrechtlichen Dialog wieder herzustellen.

Das wäre ein ehrlicher Support der Demonstrationen und zugleich ein klare Politik gegenüber Rohani. 

Ich wünsche unserer Konferenz, dem Austausch und den daraus abgeleiteten Verabredungen zur weiteren Zusammenarbeit viel Erfolg!

Danke.

 

--- English Version ----


Dear comrades, dear friends, dear participants,

I would like to welcome you to today's exchange and expert discussion. I am pleased that you follow the invitation of my group, the left group of the European Parliament GUE/NGL. The conference was prepared in cooperation with the EU-Turkey Civic Commission and the Kurdish Institute in Brussels. The Kurdish Institute had asked me for the opening words to this conference. And I can say it´s my honor. Especialy as a member of the Interparliamentary EU-Turkey Delegation of the European Parliament I experience in particular that resolving the Kurdish issue is a key to democratizing the Middle East.  For years we have notice that all nationalist conflicts, whether in Turkey, Syria, and Iraq or in Iran, often violated the rightto self-determination of the Kurdish society. The Kurdish peopels are mostly the sufferer.

At the time this conference was titled “The Iranian Movement Platform of Nations in Iran” the current developments in Iran were unpredictably. Also the instrumentalization within the power struggle of the Iranian elites makes it difficult to overlook the wholedevelopments at the moment. 

On the other hand, the protests did not come suddenly. They came spontaneously, started decentralized and directed first against the rise in price and the rise of unemployment. Many protesters make no big difference in their dissatisfaction between their anger towards Rohani or their anger towards Khamenei. Both try to catch the resistance of demonstrating ordinary people in their own power struggle. Let us not forget that Rohani's recent plans also provided for the termination of the privileges of religious foundations.

I would like to learn from your expertise in this exchange today and to receive suggestions from those who experienced Iranian society in a complex and differentiated way. Short-winded evaluations from a cozy European perspective do not help anyone.

At the same time, I know that we will not be able to agree on everything in our exchange today. But one thing is for sure: The Kurdish perspective is something special in the Middle East, and we share that. The solutions and experiences in Turkey, Iraq, Syria and Iran are always centered on key questions of democratic conflict solutions. We urgently need the understandings of similarities in the approach to the political conflicts. And there I see many common points.


1. As a left MEP, I fundamentally support calls for better living conditions, worldwide, and, of course, in Iran as well, provided that these demands are taken to the streets without violence and unless they are played against women and minority rights. Social, humanand Freedom rights are indivisible.


2. I consider Iran's foreign policy orientation to be useful for cooperation in the framework of the Silk Road project in the Euro-Asian area in a multi-polar world. That's why I condemn Trump's interferences.

3. We cannot overlook the fact that Trump is once again dreaming of the "regime change" and is trying to use the protests for this goal. He plays into the hands of Khamenei's conspiracy theories and heats up again the threat of war. By contrast, leftist and democratic forces must speak out - without making common work with the most conservative forces in Iran. Iranians can take the solution into their own hands and at the same time they need our solidarity. It's like everywhere: Turkey is more than Erdoğan and Iran is more than Rohani and Khamenei.

4. Therefore we will not silently watch an instrumentalization of the protests in the power struggle of the elites.

5. We call to the Government of Hassan Rohani to approach the people, to seek support for higher wages and to take their demands seriously and to reduce the subsidy cuts for food and gasoline.

6. Last but not least, I call on my German Government, which is traditionally linked very closely to Iran, and to the representatives of the European Union to do everything to ensure that no new military interventions are given a chance. It is necessary to strictly comply with the nuclear agreement, and that the sanctions are lifted in order to restore an equal international law dialogue.

That would be an honest support of the demonstrations and at the same time a clear policy towards Rohani.

I wish you a successful conference, and that the exchange and the resulting agreements for further cooperation are fruitful!
Thank you very much.

 

 

 

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