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Lothar Bisky: Einer, der fehlt!

Heute vor sieben Jahren starb Lothar Bisky. Wir vermissen ihn.

Wir vermissen Lothar Bisky nicht nur, sondern würden ihn so gern befragen, was er vom haarsträubenden Krisenmanagement der EU in Zeiten von Corona hält. Möglicherweise würden wir sogar einen seiner überaus seltenen Wutausbrüche angesichts eines gekürzten Kultur- und Medienetats erleben. Er hielt die kulturelle Kommunikation für ein Lebensmittel, den sozialen Zugang aller zu Wissen, Information, aber auch das Erleben von Unterhaltung und die Chance auf politischen Einspruch für einen entscheidenden Gradmesser einer aufgeklärten Gesellschaft oder zumindest einer Gesellschaft, die sich noch immer der Aufklärung verschrieben hat. In den Jahren vor seinem Tode 2013 hat ihn dieser Gedanke oft bewegt. Er schrieb und sprach oft darüber, wie unser Leben von einer zweiten Aufklärung erfasst werden könnte. Trotzig hielt er an wissenschaftlichem Fortschritt fest, war neugierig auf Expertisen aus den Medienwissenschaften, der Philosophie, der Geschichte und auch der Hirnforschung, die nicht der kurzfristigen politischen Auseinandersetzung entsprungen waren.

Zum Wandel der Medienwelten betonte er oft, dass die gemächlichen Zeittakte der demokratischen Debatte schon längst mit den 30-Sekunden-Formaten der Medienberichterstattung kollidierten und damit Tiefe und Geschichtsverständnis in unserem Denken und Handeln zu kurz kommen. Das wurmte ihn, doch zum Kulturpessimisten taugte er nicht. Lieber suchte er nach Möglichkeiten, die Schnelllebigkeit aufzubrechen und vermisste und erwartete daher auch und gerade bei der Linken eine dialogfreudige Debattenkultur. Andererseits zitierte er Marx, um die  Reichweite programmatischer Debatten wieder zu erden: "Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme."

Lothar Bisky engagierte sich für eine Linke, die sich europaweit als hoffnungsvolle Kraft etabliert, und sah zugleich, welch linke Irrwege und unproduktive Besserwisserei da beständig im Wege lagen. Er blieb ein Medienwissenschaftler, den es in die Politik verschlagen hatte, und behielt seine leise und nachdenkliche Stimme auch im Parlament und in der LINKEN. Er gab nicht auf, eine hoffnungsvolle Linke auf den Weg zu bringen und tat dies auch ab 2009 verstärkt von Brüssel aus, als Fraktionsvorsitzender der GUENGL, der linken Fraktion im Europaparlament. 

 

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Lothar Bisky war langjähriger Parteivorsitzender der PDS in den 90er Jahren und ab 2003 und erster Ko-Vorsitzender der LINKEN in Deutschland ab 2007, gemeinsam mit Oskar Lafontaine. Innerhalb der Partei der Europäischen Linken war er bis 2010 deren Vorsitzender nach dem Gründungsvorsitzenden Fausto Bertinotti. 2009 wurde Lothar als Europaabgeordneter für DIE LINKE gewählt und war dann lange Zeit Fraktionsvorsitzender der GUENGL. Sein plötzlicher Tod am 13. August 2013 trifft noch immer.     

Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL)