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COVID-19: Europaparlament fordert soziale und digitale Bildungsreformen

Gestern Abend stimmten die Europaabgeordneten über einen Bericht zur „Zukunft der Bildung in Europa vor dem Hintergrund der COVOD19-Pandemie“ ab. Martina Michels, Sprecherin von DIE LINKE. im EP und Mitglied im Kultur-  und Bildungsausschuss (CULT) kommentiert die Abstimmung:

„Das Europaparlament hat heute einhellig einen kritischen Bericht zur Zukunft der Bildung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie angenommen. Niemand hatte etwas anderes erwartet, doch die Zustimmung darf nicht über zwei Umstände hinwegtäuschen: Erstens sind die Mitgliedstaaten für Bildungsreformen zuständig. Und wenn zweitens, die EU eine sozial-integrative und tiefgreifende digitale Bildung unterstützen will, ist es absurd, ausgerechnet bei den Flaggschiffen europäischer Programme wie Erasmus+, bei Digital Europe u.a. zu kürzen. Die Corona-Hilfspakete, das 750 Milliarden Euro schwere NextGenerationEU-Programm sind kein glitzerndes Make-up für einen unterfinanzierten Haushalt in den kommenden sieben Jahren. Programmkürzungen lassen sich nicht kosmetisch retuschieren. Wenn die politische Unterstützung für Bildungsreformen hinter kühnen Worten zurückbleibt, sollte man nicht drum herumreden. Genau dazu fordert das Parlament die Kommission mit diesem Bericht und der damit verbundenen Frage zur mündlichen Beantwortung nun auf."

„Der Bericht verweist darauf, dass sich die sozialen Unterschiede, die in den Bildungssystemen der Länder kaum abgebaut werden, durch die Pandemie noch verschärft haben. Bis zu 32 Prozent aller Lernenden waren schon im Frühjahr zeitweilig von den Bildungsprozessen mitten in Europa angeschnitten. Fehlende Hardware für digitales Lernen, mangelnde digitalen Infrastrukturen, z.B. in ländlichen Gebieten, markieren nur einige Verwerfungen, die derzeit die schulische Bildung, Lehrausbildungen, Weiterbildung und Formen der informellen Bildung erschweren. Zum fehlenden menschlichen Kontakt und der nur halbwegs funktionierenden digitalen Interaktion, gesellten sich über Nacht überforderte Eltern, alleingelassen in der unheiligen Allianz von Homeoffice & Homeschooling. Verständliche Forderungen nach Präsenzunterricht halten oft mit tragfähigen Konzepten zum Schutz der Menschen nicht Schritt."  

„Die Pandemie offenbart - bei allem sofortigen Engagement in vielen Bildungsinstitutionen -, dass digitales Lernen und Lehren noch in den Kinderschulen steckt. 43 Prozent der Unionsbürger*innen fehlen grundlegende digitale Kompetenzen, darunter sind ebenso Schüler*innen und Lehrer*innen. Es ist dringend, die Lücken in der Bildungs- wie in der digitalen Infrastruktur europaweit in Daten zu erfassen, um die Schritte für einen gemeinsamen europäischen Bildungsraum bis 2025 endlich in Angriff zu nehmen.“

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