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  • Sabine Lösing

Landnahme und Konflikte

Ende Oktober 2011 wurde in den Medien breit darüber berichtet, dass die Weltbevölkerung die Schwelle von 7 Milliarden Einwohnern überschritten hat. Mal mehr mal weniger offen wurde dabei die Ernährungsfrage aufgeworfen. Denn ein wesentlicher Faktor, weshalb immer mehr Menschen hungern müssen, besteht in der Aneignung von Landflächen durch externe Akteure in vielen Staaten der so genannten Dritten Welt.  

Dies betrifft riesige Flächen, vor allem in Subsahara Afrika, aber auch in Lateinamerika und Südostasien, die sich ein Mix aus Agrokonzernen, Spekulanten und Regierungen unter den Nagel reißen (meist in Form einer „Pacht“ von häufig 99 Jahren). Genutzt werden diese Ländereien dann zur „Fremdproduktion“ von Nahrungsmitteln, zum Anbau von Rohstoffe für den Export oder für Biodiesel. Dies trägt wesentlich zur Verknappung und Verteuerung von Nahrungsmitteln und der wachsenden Anzahl hungernder Menschen bei. Im April 2011 schätzte die „Land Deal Politics Initiative“, dass hierdurch inzwischen 80 Mio. ha Land de facto den Besitzer gewechselt haben.  

Diese Form von Neokolonialismus ruft enorme Konflikte hervor: „Land ist die Grundlage der Ernährung und die Basis für Reichtum und Macht. Die Verfügungsgewalt über Land bietet Sicherheit. Veränderungen beim Landeigentum sind gleichermaßen Ausgangspunkt und Resultat von Konflikten.“ (junge Welt, 18.1.2010) Immer häufiger kommt es in Ländern der so genannten Dritten Welt zu Hungeraufständen. Dies veranlasst die „Strategen“ im Westen, auch in der EU, lediglich dazu, sich darüber Gedanken zu machen, wie solche Erhebungen am effektivsten niedergeschlagen werden können - zumindest dort, wo sie eine Gefährdung der eigenen Interessen darstellen.  

Auf eine unsägliche Art und Weise ist dieses Verhalten in sich logisch: „Angesichts der Beibehaltung der gravierenden Verteilungsungerechtigkeiten und der fehlenden Bereitschaft zu einer globalen Trendwende in Richtung sozial und ökologisch verträglicher Wirtschaft ist zu erwarten, daß sich das Potential von Hungerrevolten in den Ballungsräumen des Südens verstärken wird. […] Die herrschenden Eliten werden auch künftig darauf setzen, Unruhen mit »Sicherheitspolitik« unter Kontrolle zu bringen, wobei sich die globale Sicherheitspolitik, ähnlich wie die Landwirtschafts- und Klimapolitik in einer Sackgasse befindet.“ (ebd.)  

Ein grundlegendes Umsteuern tut hier dringend Not. Es wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, wenn sich die EU dafür einsetzen würde, dass ein – verbindlicher – Verhaltenskodex für eine nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen etabliert wird.

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