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Warten auf Anerkennung – der Holocaust an den Sinti und Roma

von Cornelia Ernst und Manuela Kropp

 

Nach über 20 Jahren Kämpfen und Überzeugungsarbeit hat es der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma endlich geschafft: Am 24. Oktober 2012 wurde in Berlin das Holocaust-Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma eingeweiht. Die Organisation der Einweihungsfeier geriet etwas durcheinander, denn aus der ganzen Republik reisten mehr Überlebende an als erwartet, um an dieser so wichtigen Feier teilzunehmen.
Ebenso wie die Juden waren Sinti und Roma im 20. Jahrhundert Ziel von rassistischer Verfolgung und schließlich fielen sie dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer. 500.000 Sinti und Roma wurden ermordet. Das Ziel der Nationalsozialisten war die Schaffung eines Europa, das nicht nur frei von Juden sein sollte, sondern auch frei von Roma. Betroffen waren vor allem die in Deutschland lebenden Sinti ebenso wie Roma aus allen Teilen des besetzten Europa, von Frankreich über Russland bis nach Griechenland.
Die Nürnberger Gesetze wurden in gleicher Weise auf Sinti und Roma angewandt wie auf jüdische Menschen: Ihnen wurden schlicht die Bürgerrechte aberkannt. In Deutschland, Österreich und Polen wurden die Angehörigen der Sinti und Roma zunächst in Lagern gesammelt, später in die Gettos und Konzentrationslager in Polen deportiert und dort grausam ermordet.
Die späte Anerkennung der Tatsache, dass sich der Holocaust auch gegen Sinti und Roma richtete, verhinderte nicht nur die rechtzeitige Entschädigung der Opfer, sondern auch die Aufarbeitung des Geschehenen. Dadurch wurden die Überlebenden nach 1945 ein weiteres Mal traumatisiert.
Die Verfolgung von Sinti und Roma und deren massenweise Ermordung gleicht in allen entscheidenden Aspekten dem Völkermord an den Juden: Sie entsprang derselben Rassenideologie und wurde als offizielle staatliche Politik mit der gleichen systematischen und fatalen Konsequenz durchgeführt. Die Bundesrepublik hat sich lange geweigert, den organisierten Völkermord an Sinti und Roma anzuerkennen. Erst 1982 wurde dieser Genozid völkerrechtlich verbindlich durch Kanzler Helmut Schmidt anerkannt und 1985 dann durch den Bundestag. Allerdings war man bis Ende der 1970er-Jahre der Auffassung, dass Sinti und Roma von den Nazis zu Recht als Kriminelle verfolgt worden waren.
Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn die Europäische Union als Ganzes den Holocaust an den Sinti und Roma anerkennen würde. Dafür kämpfe ich seit Jahren gemeinsam mit einigen Europaabgeordneten.

Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL)